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Lilly Lindner, aus "Bevor ich falle", S.176

"Da war ich für die Dauer eines Augenblicks wortstill.
Denn schöne Sätze haben einen Ausklang verdient.
Ohne Unterbrechung."

/Diskussionsrunde/ Das leidige Thema Schullektüren

 28.04.2015
 Hallihallöchen!

In der heutigen Diskussionsrunde geht es mal nicht um die Frage, ob alles immer einfacher, simpler und unpersönlicher wird. Es wird ein viel "schlimmeres" Thema behandelt - ... SCHULLEKTÜREN!
Jeder der jemals zur Schule ging oder noch zur Schule geht wird es kennen ... und vermutlich gerade innerlich den Drang verspüren sich zu übergeben. So geht es zumindest mir manchmal, wenn ich mir angucke was wir in der Schule lesen müssen - wofür ich meine Zeit verschleudere, in der ich ein wirklich gutes Buch lesen könnte.

Ich schere uns jetzt alle einfach mal über einen Kamm und wage zu behaupten, dass Schullektüren nerven, vor allem, wenn es schlechte Bücher sind. Ihr seid anderer Meinung? Dann lasst mir gerne einen Kommentar da!


Von 6 Schullektüren sind ungefähr 2 lesenswert, 2 sind okay bis mies und die letzten 2 möchte man am liebsten zum Mond schießen.
Über "Kabale und Liebe", "Iphigenie auf Tauris", "Die Physiker", "The great Gatsby" und "Hiob" ist alles dabei.

Das Problem, das ich bei der Fülle an Schullektüren sehe ist ganz einfach - abgesehen davon, dass sie meist ätzend zu lesen und absolut nicht spannend sind, sind sie einfach Null relevant für uns und unser weiteres Leben.
Jetzt kann natürlich jemand daher kommen und sagen "Aberaberaber, diese Lektüren sind Kulturgut der deutschen Literatur und Sprache!".
Und jetzt? Das ändert nichts an der Tatsache, dass wir als Schüler aus den wenigsten Lektüren irgendetwas mitnehmen; eine Lehre daraus ziehen oder wenigstens ein wenig stolz sind sie geschafft zu haben.
Auch kann man natürlich sagen, dass man durch das Lesen dieser Bücher sein Sprachgefühl erweitert und eigentlich immer kleinere Sachen mitnimmt und lernt, z.B. wie das Leben früher war, was damals für Standards herrschten oder was es für Mythen gibt. Dem möchte und kann ich nicht wiedersprechen, denn das stimmt. Jedoch kann man davon ausgehen, dass die Hälfte der Schüler die Lektüre gar nicht erst lesen, sondern sich direkt Zusammenfassungen im Internet durchlesen.

Mich als Bücherwurm stört zudem, dass ich in der Zeit kaum dazu komme etwas anderes zu lesen. Denn ich lese am liebsten ein Buch am Stück und nicht mehrere nebeneinander. Dem ganzen setzt noch die Krone auf, dass Schullektüren viel Zeit beanspruchen, eben weil sie nicht sonderlich spannend und in einer älteren Form der Sprache verfasst sind.

Der springende Punkt ist, die meisten Schullektüren sind zwar für so gut wie jeden Schüler eine Qual, müssen aber gelesen werden - einfach weil es Vorschrift ist. Aber auch, weil man daraus etwas mitnimmt. Vielleicht nicht, wie man später sein Leben führen soll, wie man Formulare ausfüllt oder wie man sich durch den Jungel an irgendwelchen Bescheinigungen kämpft. Aber man bekommt einen Überblick über Vergangenes.


Was haltet ihr von Schullektüren? Für wie relevant und sinnvoll erachtet ihr sie?

Alles Liebe
Eure<3

Kommentare:

  1. Hallo,
    schöner Beitrag von dir!
    Ich hatte das große Glück, im Deutsch-LK eine sehr coole Lehrerin zu haben, die uns die Lektüren ziemlich gut verklickert hat. Denn ich finde, häufig kommt es gar nicht so sehr auf das Buch an sich an, sondern auf die Vermittlung durch den Lehrer. Wie oft schaffen es nämlich Lehrer, ein Buch totzureden, sodass man es sein ganzes Leben hassen wird?
    Im LK haben wir gelesen: Don Karlos (top!), Dantons Tod (ganz gut), Der Sandmann (sehr cool), Effi Briest (etwas langatmig), Kassandra (sehr, sehr cool), Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (Ich habs gehasst) und Faust (Liebe ♥).

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  2. Ich bin nicht so der Fan von Schullektüre, weil ich einfach so viel davon gelesen habe, was mir einfach nicht gefallen hat. Aber so manches Buch ist dann doch ganz gut :)
    LG, Cynder
    http://cynderaryan.blogspot.co.at/

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  3. Ich finde Schullektüren auch nicht toll und bis auf tschick hatten wir nur schreckliche Bücher...😬😱

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  4. Hey Liebelein :)

    Ich geh zwar nicht mehr zur Schule, aber auch studiumbedingt muss ich viele Bücher lesen, die man als "Normalo" vielleicht nicht unbedingt anfassen würde. Deswegen lasse ich auch mal meinen Senf da.^^

    In der Schule fand ich solche Lektüren immer so geht so. Ich stimme da meinen Vorrednern zu: es kommt immer auf die Vermittlung durch den Lehrer an. Eine meiner absoluten Lieblingslektüren war zum Beispiel "Woyzeck", aber auch "Iphigenie auf Tauris" und ein paar andere haben mir gut gefallen, weil es daran viele tolle Dinge zu entdecken gab. Bücher, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte, waren meistens schon aus dem 20. Jahrhundert, so wie "Mario und der Zauberer" oder dieses Blöde, was unter dem Titel "Eyes Wide Shut" verfilmt wurde. Das war so schlecht, da entfällt mir immer der Name. :P

    In der Uni habe ich noch einige andere tolle Klassiker kennengelernt und bin mittlerweile der Auffassung, dass es wichtig ist, ein paar klassische Bücher zu kennen (zumindest vom Inhalt her, wenn man sie der Sprache wegen nicht lesen möchte), da sie doch ganze Literaturepochen geprägt haben und auch in unserer Literatur heutzutage häufig aufgegriffen werden. Gerade die ganzen Märchenadaption u.Ä. rufen ja quasi dazu auf, dass man sich mit den Vorlagen auseinandersetzt.

    Manchmal kann die Lektüre schwierig sein, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es sich in den meisten Fällen lohnt durchzuhalten. Trotzdem gilt auch für Klassiker bei mir die 50-Seiten-Regel. Hat es mich nach 50 Seiten nicht überzeugt, lese ich es nicht zuende, denn dann ist es meiner Meinung nach Schrott.^^ Trotzdem finde ich sollte man jedem Klassiker eine Chance geben, denn auch dort gibt es Gute und Schlechte. :P

    Soo, das reicht an Senf. Die Diskussion finde ich super interessant.

    Ah, einen Punkt habe ich noch: Ich finde, dass Deutschkurse sich ihre Lektüren selbst nach Interesse aussuchen sollten. Klar sind Klassiker die Grundlage unserer Literatur, aber im Deutschunterricht sollte es meiner Meinung nach eher darauf ankommen, den Schülern den Spaß am Lesen zu vermitteln und das funktioniert am Besten, wenn sie sich für das begeistern, was sie lesen. :)

    So, Ende. :D

    Ganz liebe Grüße <3 <3
    Kim

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    1. Hey,
      Eyes Wide Shut müsste Arthur Schnitzlers "Schachnovelle" sein ;). Bisher habe ich nur Ausschnitte daraus gelesen.
      Woyzeck habe ich gehasst. Ich musste es im Studium lesen, und zwar hatten wir eine Ausgabe, um uns die Editionsphilologie näher zu bringen. Woyzeck ist ja nie zuende geschrieben worden, und die Leute streiten sich bis heute noch, in welcher Reihenfolge man die einzelnen Seiten liest, die Büchner beschrieben hat. In der Ausgabe, die wir hatten, standen alle Varianten drin, das heißt, letztendlich hat man den Text vier oder fünf mal lesen müssen -.-. Das war dann etwas zu viel des Guten :D

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    2. Hey :)

      Mein Exemplar hieß "Traumnovelle" - aber das ist wahrscheinlich das Gleiche und genau gleich blöd. :D In der Schule fanden Woyzeck auch viele doof, gerade weil es noch nicht fertig war. Aber das fand ich daran so faszinierend - diese vielen Möglichkeiten, in die sich die Geschichte entwickeln könnte, wenn man die Szenen umdreht. Ich hab damals meine Facharbeit darüber geschrieben und eine Kurzgeschichte zu einer Szene geschrieben und analysiert (was irgendwie echt bescheuert war, aber trotzdem gut für mich ausging :D).
      Woyzeck hat mich lange Zeit verfolgt (im positiven Sinne) und jetzt fühle ich mich so, als wäre es eins der wenigen Bücher, zu denen ich mir so ausführlich Gedanken gemacht habe, dass es sich anfühlt, als hätten sie mich tatsächlich bereichert.

      Interessant finde ich allerdings auch, dass man später auf seine Schullektüren noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Je mehr man gelesen hat, desto eher kommt man dazu, auch mal in anstrengenden Büchern etwas Tolles zu finden und desto mehr nimmt man von einer Lektüre auch mit.

      Allerdings bin ich immer noch der Meinung, dass Deutschunterricht in der Schule viele eher vom Lesen abhält, weil sie sich überfordert fühlen. Stattdessen würde ich es für einen besseren Weg halten, wenn man die Lust am Lesen mit einfacheren, tollen Büchern weckt, damit auch nach der Schule fleißig weitergelesen wird. :P

      Oh man, das ist ein Thema, über das ich mich stundenlang ereifern könnte. :D :D Ich hätte einen Blogpost daraus machen sollen. :D

      Ganz liebe Grüße :)
      Kim

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    3. Kannst ja gerne einen eigenen Blogpost draus machen :D

      Die Schachnovelle ist von Stefan Zweig, Traumnovelle ist natürlich richtig ;)

      Nachdem ich Woyzeck in unterschiedlicher Reihenfolge an einem Tag viermal gelesen habe, hatte ich auch echt genug :D

      Wie ich in meinem Kommi schon erwähnt habe, fand ich die Bücher in der Oberstufe super, die in der Unterstufe allerdings nicht so. Da nervt es mich, wenn die Texte die Schüler unbedingt über irgendetwas belehren wollen (Drogen sind böse, Stehlen sind böse). Das ist meistens so penetrant, dass es gar keinen Spaß mehr macht, zu lesen.

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  5. Naja, ganz kann ich dir nicht zustimmen, mich haben doch einige der Lektüren, die wir lesen mussten geprägt. Zum Beispiel habe ich Emila Galotti, Faust und Woyzeck abgöttisch geliebt und würde sie auch heute immer und immer wieder lesen. Aber natürlich gibt es auch Lektüren, die einem da nicht so gefallen. Es hat sicherlich auch was mit einem selbst zu tun und wie stark man sich auf das ganze einlassen kann. :)

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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  6. Hola =)

    Jetzt mal von der Lehrerseite ;) Ich bin zwar kein Deutschlehrer, aber glaub mir die meisten Lehrer nervt es auch solche Bücher lesen zu müssen.

    Aber was wäre die Alternative? Irgendwas anderes lesen oder vielleicht gar keine Bücher? Bei der ersten Möglichkeit - abgesehen vom ZentralAbi - ist das Problem, dass es immer Jemanden gibt der ein Buch gut oder schlecht findet.
    Ich musste damals in der Schule z.B. "der Vorleser" lesen. Gott, ich fand das Buch so ätzend...aber viele ein paar andere Leute fanden es total gut. Natürlich klingt die Vorstellung schön jeder sucht sich ein Buch aus, aber wie will man dann nachher sowas prüfen?! Richtig unmöglich.
    Gut, damit wären wir bei der anderen Alternative...
    Gar keine Bücher mehr lesen?! Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist...ich finde Schullektüre gehört irgendwie dazu. Da mussten wir alle durch und geschadet hat es auch Niemanden. Ich weiß trotzdem wie man eine Bescheinigung oder ein Formular ausfüllt ;)

    Lustigerweise gibt es z.B. einige Schulbücher, welche ich jetzt besser finde als damals...okay außer den Vorleser, den finde ich immer noch doof.
    Abgesehen davon kenne ich Lehrer, welche in dieses Jahr mit ihren Klassen "Percy Jackson" und "Tschick" lesen. Das fand ich dann doch ziemlich cool :)

    LG Denise

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  7. Hallo ihr Lieben,

    Vielen Dank erst mal - genauso stelle ich mir eine schöne Diskussionsrunde vor! *-*
    Es ist wirklich interessant die verschiedenen Sichtweisen zu lesen - auch von Leuten, die schon aus der Schule raus sind.
    Vor allem bringt ihr nochmal viele Aspekte mit rein, die ich komplett außen vor gelassen habe:)

    Zugegebenermaßen ist der Post neben einem Anreiz zu einer Diskussion auch ein kleiner Meckerpost Manchmal überkommt es einen einfach und man möchte dem ganzen Luft machen. :D

    Aber ihr habt Recht - ohne Schullektüren ginge es auch nicht und einige sind auch gar nicht so übel, wenn man sich erst einmal hinein gelesen hat. So geht es mir momentan mit "Brave New World", die ersten 1 - 2 Kapitel sind zum durchquälen, aber danach geht es auf jeden Fall besser.
    Rückblickend sind die Lektüren auch immer weniger schlimm, als wenn man sie gerade lesen muss. Bei "The Great Gatsby" war ich sogar stolz es geschafft zu haben.

    Vermutlich gilt auch hier: Es gibt solche und solche. Manche sind besser zu lesen als andere.
    Ich persönlich lese einfach lieber Bücher, die ich mir selbst aussuchen kann und bei denen man nicht unter jenem Druck steht.

    Alles Liebe
    Eure
    Rubin<3

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